Referenz

Grossprojekt Retention: 390’000 Liter Rückhaltevolumen für Regenwasser in Kirchberg

Michael Weber
von Michael Weber
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Wenn bei starken Regenfällen zu viel Wasser auf einmal abfliesst, braucht es einen wirksamen Puffer. In Kirchberg im Industriegebiet Stelz haben wir mit einer 390 m³ grossen Retentionsanlage genau diesen Rückhalteraum realisiert, aufgebaut aus 1’880 Rigolen. Das Wasser wird bei Regen in der Anlage gesammelt, zurückgehalten und anschliessend gedrosselt in die Kanalisation abgegeben.

Wie aus 1’880 Rigolen ein Rückhalteraum für 390’000 Liter Regenwasser entsteht, zeigt unser Video direkt von der Baustelle in Kirchberg.

Wenn aus Regen ein Entwässerungsproblem wird

Auf grossen Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsflächen kann innerhalb kurzer Zeit viel Regenwasser anfallen. Wenn Böden versiegelt sind, kann ein grosser Teil davon nicht direkt versickern. In der Gemeinde Kirchberg im Gebiet Stelz führte genau das zu einer Herausforderung. Zwischen Kirchberg und Rickenbach ist vertraglich geregelt, dass dabei maximal 830 Liter pro Sekunde weitergeleitet werden dürfen, um die nachgelagerte Entwässerungsinfrastruktur bei starken Niederschlägen zu entlasten. Messungen zeigten jedoch, dass diese festgelegte Grenze im Jahr 2025 bei stärkerem Regen mehrmals überschritten wurde. Das bedeutete, dass zeitweise mehr Wasser von Kirchberg nach Rickenbach geflossen ist, als vertraglich vorgesehen. Deshalb musste eine Lösung her mit dem Ziel Spitzenabflüsse zu reduzieren und einen Teil des Regenwassers temporär zurückzuhalten. Aber dafür brauchte es zunächst eines: Platz. Was in der Theorie einfach klingt, war in der Praxis der erste Knackpunkt des Projekts.

Wohin mit der Retentionsanlage?

Mit der Frage der Retention beschäftigte sich die Gemeinde bereits seit mehreren Jahren. Doch bei einer Anlage dieser Grösse stellt sich schnell eine sehr konkrete Frage: Wo lässt sich ein Rückhaltevolumen von 390’000 Litern überhaupt unterbringen? Marc Rudolf, Leiter Verkehr und Umwelt der Gemeinde Kirchberg erzählt uns: “Die Herausforderung war es einen geeigneten Standort zu finden”. Schliesslich erklärte sich die IGP Pulvertechnik AG bereit, die Anlage auf ihrem Areal zu ermöglichen. Damit war eine entscheidende Voraussetzung erfüllt und aus einer jahrelangen Fragestellung konnte ein konkretes Bauprojekt werden.

Die Retentionsanlage: Zwei Bereiche, eine gemeinsame Aufgabe

Die Retentionsanlage wurde in zwei Bereiche aufgeteilt. Ein Teil übernimmt die Entwässerung der Ringstrasse, der zweite die Entwässerung des IGP-Areals. Bei starken Niederschlägen wird das Wasser in der Anlage temporär zurückgehalten und anschliessend zeitversetzt an die Kanalisation abgegeben. So lassen sich Abflussspitzen reduzieren und die nachgelagerte Infrastruktur gezielt entlasten.

Was 390 m³ beim Bau einer Retentionsanlage tatsächlich bedeuten

390 m³ Rückhaltevolumen sind zunächst eine abstrakte Zahl. Die verbauten Materialmengen machen die Dimension greifbarer:

  • 1’880 Rigolen
  • 372 Bodenplatten
  • 465 Endplatten
  • 3’400 Verbinder
  • 8 Schächte
  • über 800 m² Vlies
  • 720 m² Folie
  • 8 Bridenbänder

Insgesamt haben wir rund 22 Tonnen Material verbaut. Besonders anspruchsvoll war dabei nicht nur die Menge, sondern auch die Tiefe. Die Rigolen wurden in fünf Lagen übereinander eingebaut. Das gesamte Material musste also zunächst in die tiefe Baugrube gebracht und dort präzise versetzt werden. Rigole für Rigole und Lage für Lage entstand so der unterirdische Rückhalteraum.

Die Umsetzung durch faparain auf der Baustelle

Als unser faparain Team mit fünf Mitarbeitenden auf der Baustelle eintraf, stand eine beträchtliche Menge Wasser in der Baugrube. An den Einbau der Rigolen war daher zunächst nicht zu denken. Die erste Aufgabe lautete entwässern. Innerhalb von rund einer Stunde war die Baugrube leer und unser Team konnte mit den eigentlichen Einbauarbeiten beginnen. Danach ging es Schritt für Schritt weiter: Vlies verlegen, Anlage einmessen, Folie einbringen und Rigolen positionieren. Gerade das saubere Einmessen war entscheidend. Bei einer Anlage mit fast zweitausend Rigolen können sich Ungenauigkeiten über viele Elemente fortsetzen. Präzision beginnt deshalb beim ersten Element.

Ebenso müssen bei solch einem Projekt alle Arbeiten aufeinander abgestimmt werden. Unser Team brachte die Erfahrung mit dem Rigolensystem und dem Aufbau der Retentionsanlage ein, während der Tiefbauer die entsprechenden Voraussetzungen in der Baugrube schuf. Die Zusammenarbeit klappte hervorragend und die Ausführung funktionierte so gut, dass der Einbau sogar schneller vorankam als vorgesehen.

Jahre der Vorbereitung treffen auf wenige intensive Bautage

Das Projekt zeigt einen interessanten Gegensatz. Die Entwässerungsfrage im Gebiet Stelz beschäftigte die Beteiligten über Jahre. Varianten mussten geprüft, ein Standort gefunden und die unterschiedlichen Anforderungen an die Entwässerung berücksichtigt werden. Auf der Baustelle verdichtet sich all diese Vorbereitung dann auf die entscheidenden Arbeitsschritte. Für uns zeigt dieses Projekt sehr gut, dass eine funktionierende Retentionsanlage nicht erst mit dem Produkt beginnt. Planung, Schnittstellen, Einbausituation und Zusammenarbeit auf der Baustelle gehören genauso zur Lösung wie die Rigolen selbst.

Was später niemand mehr sieht

Während des Einbaus ist die Anlage kaum zu übersehen: Eine tiefe Baugrube, stapelweise Rigolen, hunderte Quadratmeter Vlies und Folie, Maschinen, Material und mehrere Personen im Einsatz. Nach Abschluss der Arbeiten verschwindet fast alles davon unter der Erde. Dort übernimmt die Retentionsanlage ihre eigentliche Aufgabe: Sie hält Regenwasser von Ringstrasse und IGP-Areal temporär zurück und entlastet so die nachgelagerte Entwässerungsinfrastruktur bei Spitzenbelastungen.

Ist eine Retentionsanlage auch für andere Projekte sinnvoll?

Nicht jedes Grundstück braucht eine so grosse Menge an Retentionsvolumen. Welche Lösung geeignet ist, hängt unter anderem von der anfallenden Wassermenge, den verfügbaren Flächen, den Boden- und Grundwasserverhältnissen, der bestehenden Entwässerung, der Nutzung des Grundstücks und den behördlichen Vorgaben ab. Je nach Situation kann es sinnvoll sein, Wasser zurückzuhalten, vor Ort versickern zu lassen oder für eine spätere Nutzung zu speichern. Aus diesem Grund muss jedes Projekt individuell auf seine Aufgabe und den Standort angepasst werden. Gutes Regenwassermanagement beginnt nicht mit der Auswahl eines bestimmten Produkts, sondern mit der Frage, was das Wasser an diesem konkreten Standort tun soll und darf.

Beim Projekt im Stelz lautete die Antwort: zurückhalten und kontrolliert weitergeben

Fazit: Ein grosser Rückhalteraum für den entscheidenden Moment

Am Anfang des Projektes stand eine Grenze: 830 Liter pro Sekunde durften laut vertraglicher Vereinbarung von Kirchberg nach Rickenbach fliessen; nicht mehr. Messungen zeigten, dass dieser Wert mehrfach überschritten wurde. Heute steht im Gebiet Stelz dafür ein unterirdischer Puffer zur Verfügung: 390 m³ Retentionsvolumen, aufgebaut aus 1’880 Rigolen in fünf Lagen.

Für dieses Ziel brauchte es eine geeignete Fläche, jahrelange Vorbereitung, eine tiefe Baugrube, 22 Tonnen Material und vor allem ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten.

Nach Abschluss der Arbeiten wird die Anlage oberflächlich nicht mehr zu sehen sein, aber übernimmt im Untergrund ihre Aufgabe: Sie hält Wasser zurück, wenn es darauf ankommt. Und genau darin liegt vielleicht die spannendste Seite von Regenwassermanagement: Die beste Lösung sieht man später kaum – ihre Wirkung aber zeigt sich genau dann, wenn sie gebraucht wird.

Haben auch Sie eine Retention, Versickerung oder Regenwassernutzung geplant oder möchten sich über die Möglichkeiten informieren?

Ob Gemeinde, Ingenieurbüro, Bauunternehmen, Architektur- oder Planungsbüro, Bauherrschaft oder privates Projekt: Wir unterstützen Sie dabei, eine Lösung zu finden, die zu den Wassermengen, den örtlichen Gegebenheiten und den Anforderungen Ihres Projekts passt.