Unangenehme Gerüche im unterirdischen Regenwassertank sind selten, können aber vorkommen. Meist steckt keine defekte Anlage dahinter, sondern eine konkrete Ursache: organische Rückstände, Sauerstoffmangel oder Stoffe, die über die Dachfläche ins System gelangt sind. Wenn Sie die Ursache früh erkennen, können Sie meist mit einfachen Massnahmen entgegenwirken.

Vielleicht haben Sie das selbst schon erlebt: Sie öffnen den Tankdeckel zum Regenwassertank oder starten die Gartenbewässerung und plötzlich riecht das Wasser muffig, faulig oder nach Fäkalien. Verständlich, dass in diesem Moment Unsicherheit entsteht: Ist das Wasser verdorben? Muss der Tank gereinigt werden? Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich das Problem eingrenzen und beheben. Entscheidend ist, ruhig vorzugehen und mögliche Ursachen Schritt für Schritt zu prüfen.
Grundsätzlich ist Regenwasser geruchslos. In einem korrekt geplanten und betriebenen unterirdischen Regenwassertank bleibt die Wasserqualität normalerweise langfristig erhalten. Das liegt daran, dass das gesammelte Regenwasser unter optimalen Bedingungen gelagert ist: kühl, dunkel und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Da für die Photosynthese Licht als Energiequelle erforderlich ist, können sich ohne Sonneneinstrahlung keine photosynthetisch aktiven Organismen wie Algen vermehren.
Wenn Regenwasser dennoch unangenehm riecht, bedeutet das nicht automatisch, dass die Anlage defekt ist. Häufig gelangen Stoffe in den Tank, die dort eigentlich nicht oder nur in sehr geringen Mengen vorhanden sein sollten. Diese können biologische Prozesse auslösen, die zu Geruchsbildung führen.
Wichtig zu wissen: Geruchsprobleme gehören nicht zum normalen Betrieb einer Regenwassernutzungsanlage und kommen nur sehr selten vor. Tritt ein unangenehmer Geruch auf, steckt meist eine konkrete und nachvollziehbare Ursache dahinter.
Der Weg des Regenwassers beginnt auf dem Dach. Bevor es in den Tank gelangt, fliesst es über die Dachfläche und durch die Dachrinnen. Dabei nimmt es alles mit, was sich dort angesammelt hat. Dazu gehören unter anderem Blätter, Blütenstaub, kleine Pflanzenreste oder feine Staubpartikel. Normalerweise werden solche Verunreinigungen durch Filter zurückgehalten oder setzen sich in geringen Mengen im Tank ab. Gelangen jedoch grössere Mengen organischen Materials ins System, können diese mit der Zeit biologisch abgebaut werden. Unter bestimmten Bedingungen entstehen dabei Stoffe, die als muffiger oder fauliger Geruch wahrgenommen werden. Besonders nach längeren Trockenperioden, während der Laubsaison oder bei aussergewöhnlich starken Verschmutzungen kann dies vorkommen.
Nicht immer sind natürliche Verunreinigungen die Ursache. Auch Arbeiten am Gebäude können einen Einfluss auf die Wasserqualität haben. Aus Erfahrung wissen wir, dass Geruchsprobleme oft nach Dachsanierungen, Dachreinigungen oder der Installation einer Photovoltaikanlage auftreten können. Das liegt daran, dass während solcher Arbeiten teilweise Reinigungsmittel, Versiegelungen, Klebstoffe oder andere Hilfsstoffe eingesetzt werden. Gelangen Rückstände davon auf die Dachfläche, können sie bei den nächsten Regenfällen ausgewaschen und in den Regenwassertank gespült werden. Wer also feststellt, dass der Geruch kurz nach solchen Arbeiten aufgetreten ist, sollte diesen Zusammenhang in Betracht ziehen. Gerade bei neu erstellten oder sanierten Dachflächen kann es daher sinnvoll sein, die ersten stärkeren Regenfälle nicht direkt in den Regenwassertank einzuleiten, sondern abzuleiten. So wird verhindert, dass mögliche Rückstände ins System gelangen.
Die Ursache für unangenehme Gerüche im Regenwassertank liegt in einem gestörten biologischen Gleichgewicht. In einem funktionierenden Tank besteht ein natürliches Gleichgewicht zwischen aeroben und anaeroben Bakterien. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance, können sich anaerobe Mikroorganismen verstärkt vermehren. Bei ihren Stoffwechselprozessen entstehen Gase und Schwefelverbindungen, die den typischen fauligen Geruch verursachen. Eine ausreichende Sauerstoffversorgung sowie eine regelmässige Wartung des Tanks helfen dabei, das biologische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und Geruchsbildung zu verhindern.
Wenn bei Ihrem Regenwasser ein unangenehmer Geruch auftritt, empfiehlt es sich, die Situation Schritt für Schritt zu analysieren.
Ein guter erster Ansatz ist die Belüftung des Tanks. Öffnen Sie den Tankdeckel oder prüfen Sie, ob die vorhandene Entlüftung frei ist. Ist Sauerstoffmangel die Ursache, verbessert sich die Situation häufig bereits nach einigen Tagen bis wenigen Wochen.
Zusätzlich können Sie Sauerstoff aktiv in das Regenwasser einbringen, zum Beispiel mit einer geeigneten Luftpumpe oder Teichbelüftungspumpe. Dadurch wird die Sauerstoffzufuhr im Tank unterstützt.
Achtung: Wenn der Tankdeckel über längere Zeit geöffnet bleibt, muss die Öffnung unbedingt gesichert werden. So verhindern Sie, dass Personen, Kinder oder Tiere hineinfallen oder Fremdkörper in den Tank gelangen. Decken Sie die Öffnung deshalb nicht einfach ungeschützt ab, sondern sichern Sie sie mit einer stabilen, gut sichtbaren Absperrung oder einer geeigneten Abdeckung, die weiterhin Luftaustausch ermöglicht.
Anschliessend lohnt sich ein Blick auf die Dachfläche. Wurden kürzlich Arbeiten durchgeführt? Wurde eine Photovoltaikanlage installiert? Gab es eine Dachreinigung oder andere Unterhaltsarbeiten? Wenn ein Zusammenhang möglich erscheint, sollte vorerst verhindert werden, dass weiteres belastetes Wasser in den Tank gelangt. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, den Zulauf vorübergehend vom Tank wegzuleiten. So gelangen mögliche Rückstände nicht weiter in den Erdtank. Nach einigen kräftigen Regenfällen sind viele dieser Stoffe bereits ausgewaschen und das Regenwasser kann wieder wie gewohnt gesammelt werden.
Zusätzlich sollten Sie die Filter kontrollieren oder kontrollieren lassen. Verschmutzte oder verstopfte Filter können dazu führen, dass mehr organisches Material in den Tank gelangt als vorgesehen.
Im folgenden kurzen Video fasst unser Bereichsleiter faparain die wichtigsten Punkte zusammen und zeigt, wie der Tank zur Belüftung geöffnet wird.
Viele Betroffene denken bei unangenehmen Gerüchen sofort an eine aufwendige Tankreinigung. In den meisten Fällen ist das jedoch nicht notwendig. Zunächst sollte die Ursache möglichst genau eingegrenzt werden. Oft genügt es bereits, den Eintrag von Verunreinigungen zu stoppen oder die Belüftung zu verbessern. Nur wenn der Geruch über längere Zeit bestehen bleibt oder weitere Auffälligkeiten auftreten, kann eine Reinigung sinnvoll sein. Wenn Sie unsicher sind oder die Belüftungsmassnahmen nicht greifen, kontaktieren Sie uns gerne. Wir können den Zustand Ihrer Anlage beurteilen und geeignete Massnahmen empfehlen.
Wenn Regenwasser plötzlich unangenehm riecht, sorgt das verständlicherweise für Verunsicherung. Die Ursache liegt jedoch nur selten in einem Defekt der Anlage. Häufig sind organische Verunreinigungen, Rückstände von Dacharbeiten oder ein vorübergehender Sauerstoffmangel im Tank verantwortlich. Wichtig ist, die Ursache möglichst früh zu erkennen und weiteren Eintrag von Verunreinigungen zu verhindern. Oft reichen bereits einfache Massnahmen wie das Belüften des Tanks oder das vorübergehende Ableiten des Zulaufs aus. Die gute Nachricht bleibt: Gut geplante Regenwassernutzungsanlagen funktionieren in der Regel über viele Jahre zuverlässig – und unangenehme Gerüche bleiben die Ausnahme.